Nummer 27 vom 6. bis 9. Juli 2017

Männer im Kilt, ein belagerter Whiskystand, Fahnen im Publikum - wohl noch nie war ein Länderschwerpunkt so präsent wie Schottland in diesem Jahr.“ 

Programmdirektor Bernhard Hanneken

 

Keine Frage, Schottland als Fokus 2017 bekam durch die Brexit-Verhandlungen eine spürbare Eigendynamik. Das Publikum trug die Künstler auf einer Welle der Sympathie, von der Begeisterung über das hohe musikalische Niveau einmal ganz abgesehen. Während der vier Festivaltage war das schottische Ja zu Europa natürlich immer wieder ein Thema.

 

„Für Schottland war es ein Privileg, seine Musik und Identität mit den Festivalbesuchern in Rudolstadt zu teilen“, sagte Lisa Whytock von Showcase Scotland Expo, mit der das Festival bei diesem Länderschwerpunkt eng zusammengearbeitet hat. „Es ist ein ganz erstaunliches Festival, es gibt so viele magische Orte, und egal wohin man schaut – überall ist Musik, Gemeinschaftsgefühl und das Wichtigste: eine internationale Identität. Es ist sehr, sehr besonders.“ 

 

Zum Auftakt mit Folk-Pop-Star Amy Macdonald strömten am Donnerstagabend rund 18.000 Besucher in den Heinepark, so viele wie noch nie. In den kommenden Tagen wurde das Electro-Trad-Kollektiv Sketch ebenso gefeiert wie Fred Morrison, die Nummer eins unter den Pipern oder Mairearad & Anna, die das Publikum mit virtuosem Gitarren- und Akkordeonspiel und einer launigen Performance begeisterten. 

 

Highlight am Abschlusstag war eine einzigartige Hommage an den schottischen Nationaldichter Robert Burns: „A Man For A’ That“. Bei dieser Eigenproduktion des Festivals sangen Musiker aus zehn Ländern Burns’ Lieder in ihrer jeweiligen Heimatsprache. Dabei erklangen seine Songs auf Amharisch, Arabisch, Deutsch, Gälisch, Georgisch, Hebräisch, Polnisch, Portugiesisch, Samisch, Scots und Urdu. Ein Festival Special, das das israelische Gulaza-Quartett erst als „crazy“, später dann als „geniously“ empfand. Die FAZ inspirierte dieses Konzert zu der Schlagzeile „Seid umschlungen, Dudelsack-Ikonen“ und Arrangeur Fred Freeman ging mit seinem dutzendfach wiederholten „Great stuff, excellent stuff!“ in die

Festivalgeschichte ein. 

 

In besonderer Erinnerung unter den rund 300 Auftritten bleibt sicher auch das zehnte Konzert der Thüringer Symphoniker. Mit Elektronik-Komponist Sven Helbig und dem Chor des Goethe-Gymnasiums Rutheneum Gera brachte das Orchester Helbigs klanggewaltigen Zyklus „I Eat the Sun and Drink the Rain“ auf die Heidecksburg. 

Im Deutschlandfunk Kultur resümierte Holger Beythien: 

"Eines der ungewöhnlichsten Projekte, die ich jemals beim Rudolstadt-Festival erlebt habe… ein faszinierendes Klangbeispiel für das mögliche Miteinander von klassischer Musik und modernen Sounds... Verstörend, irritierend, fesselnd."