Nummer 26 vom 7. bis 10. Juli 2016

„Rudolstadt-Festival?!“ Erinnert sich noch jemand an die Aufregung, die dieser Name erst vor wenigen Monaten ausgelöst hatte? Kaum war das Festival gestartet, spielte das schon keine Rolle mehr, denn spätestens am Sonntag zum Abschluss war bewiesen, was mancher zuvor nicht glauben wollte: Hinter dem Namen steht immer noch der bewährte Inhalt. Und überhaupt: Was sind schon Namen angesichts der drängenden politischen Fragen...

 

Es war auffällig, wieviele Musiker diesmal die Gelegenheit nutzten, um in ihre Auftritte ein Statement für Frieden, Toleranz und Weltoffenheit einzuflechten.

Das Festival-Team selbst setzte mit einer besonderen Eigenproduktion ein Zeichen beim Thema Flüchtlingspolitik: „Arche Noah Reloaded“, ein Multiethnical um Migration und Vertreibung. Mit Musikern aus Burkina Faso, Deutschland, der Slowakei und Syrien kam das Projekt in Rudolstadt zur Uraufführung. Regie führte Petra Paschinger, die musikalische Leitung hatte Matthias Schriefl, Revoluzzer der alpinen Blechszene und Preisträger der Festival-RUTH 2016.

 

Ganz ohne Zutun des Teams bekam unser Länderschwerpunkt Kolumbien eine erweiterte Dimension: Zwei Wochen vor Festivalbeginn unterzeichneten die kolumbianische Regierung und die Guerillaorganisation Farc einen Waffenstillstand – nach über 50 Jahren Bürgerkrieg.

Die musikalische und ethnische Vielfalt dieses Landes zeigten in Rudolstadt

zehn Bands zwischen traditioneller und moderner Spielart, zwischen Cumbia, Hiphop und Jazz. Künstler wie der afrokolumbianische Flötenspieler Paíto als letzter großer Vertreter seiner Zunft, Sidestepper, die Pioniere der Electro Cumbia oder der virtuose Jazz-Harfenist Edmar Castañeda setzten sehr unterschiedliche Akzente, ebenso Rancho Aparte, deren Straßenparty-Sound vom Ohr direkt in die Beine ging.

Das galt natürlich auch für die Workshops zum Tanz des Jahres Cumbia.

 

- Und wie immer wurde auch wieder ganz spontan getanzt, z.B. bei Dobranotch, Harald Haugaard & Helene Blum oder Gangstagrass, die auf ihrer ersten Europa-Tour von vielen prompt zur neuen Lieblingsband auserkoren wurden. Neben den Südkoreanern von Jambinai und den ukrainischen Dakh Daughters sicher eine der stärksten, überraschendsten Entdeckungen.

Zu den eher „leiseren“, bewegenden Auftritten gehörten jene von Lorcán Mac Mathúna mit seinen archaischen Sean-nós-Gesängen und von German Lopez, der seine Timple, eine kleine fünfsaitige Gitarre von den kanarischen Inseln, virtuos beherrscht.

 

Weil auch ein bisschen Namedropping dazu gehört: Beglückende, aufwühlende oder denkwürdige Momente verdankten wir 2016 auch Anoushka Shankar, Lena Willemark, Ernst Molden, Gasandji, DJ Ipek oder zum Beispiel Stoppok - Anlässlich der RUTH-Verleihung spielte er extra und zum ersten Mal überhaupt live in Deutschland mit seinen Kollegen aus Indien, mit denen er in Asien schon drei Alben veröffentlicht hat.

 

Ach ja, 2016 war auch mal wieder Fußball-EM. Europameister wurde am Ende Portugal. Das interessierte aber schon keinen mehr, denn Glen Hansard legte im Heinepark ein furioses Abschlusskonzert hin... Einfach nur schön!