Irlands traditioneller Sean-nós-Gesang

von Bernhard Hanneken

So sehr irische Musik auch geboomt hat – der traditionelle Sean-nós-Gesang hatte gegen die Jigs und Reels keine Chance. Dabei hat der Musiker und Forscher Tomas Ó Canainn wohl recht, wenn er feststellt: "Kein Aspekt irischer Musik kann vollständig verstanden werden, hat man nicht ein tiefes Verständnis für den Sean-nós-Gesang. Er ist der Schlüssel, der jede Tür öffnet.”

Charakteristisch für diesen (wörtlich:) alten Stil ist, dass die Texte in Gälisch sind, dass die Melodie reich verziert wird und dass der Gesang herb und unbegleitet ist. Wobei – letzteres war einmal. Heute schient sich die Stilistik vor allem zur Begleitung durch sanfte Elektronik zu eignen. Auch Lorcán Mac Mathúna umgibt sich mit Musikern, die Akkordeon, Geige sowie Trompete spielen und auch nicht auf elektronische Sounds verzichten. Die, und das mag überraschen, sogar die archaische Anmutung noch unterstützen. Das schrammt immer knapp am Pathos vorbei, aber große Geste ist es allemal. Und große Kunst auch.

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