Und die RUTH geht an...

von Bernhard Hanneken

Hauptpreis: Stoppok

Der Hauptpreis zur RUTH 2016 geht an den Liedermacher Stefan Stoppok. Dessen Songs zeichnet vor allem eines aus: Sie sind ein Spiegel unserer selbst. Was wir tun aus Liebe, Unüberlegtheit, aus Borniertheit, aus Hass auf andere, aus Dummheit, aus Begeisterung – all unser sehr differenziertes Alltagsverhalten finden wir in Stoppoks Liedern wieder. Immer wieder legt er den Finger in die zahlreichen Wunden unserer Gesellschaft und unserer Zeit, und das genussvoll mit Ironie und gelegentlichem Sarkasmus. Selbst für die schwierigsten Themen findet Stoppok einen Weg, sie uns nahe zu bringen. Dabei verbindet er als Transportmittel in kongenialer Form Folk, Blues und Songwriting zu einer Kunst, der sich zu entziehen schwer fällt und die einzigartig ist in unserem Land.

 

Förderpreis: Royal Street Orchestra

Neun junge Musiker, darunter ein Serbe, ein Bosnier und ein Grieche mit Liebe zu türkischen Melodien, treffen sich in Wuppertal zu diesem grenzüberschreitenden Ensemble, um Musik zwischen Balkan, Orient und hypnotischen Club-Beats zu kreieren - und schaffen das Kunststück, in diesem reichlich beackerten musikalischen Feld einen eigenen Akzent zu setzen. Die Instrumentierung mit Geige, Cello, Akkordeon, Oud, Bouzouki, Gitarren, Bass sowie zwei Schlagwerkern lässt aufhorchen. Live wie im Studio beweist das Ensemble, dass intelligente Arrangements und groovige Tanzbarkeit sich nicht ausschließen, sondern wie zwei Seiten einer Medaille ergänzen. Dabei macht es sich die Band nicht auf dem west-östlichen Diwan mit gängigen Klischees bequem, sondern beschreitet neue Wege in einer Weise, die die Jury überzeugt hat, dem Royal Street Orchestra die Förder-RUTH 2016 zu verleihen.

 

Ehren-RUTH: Spielkurs für Dudelsack und Drehleier

Seit über 15 Jahren ist Andrea Hotzko unermüdlich damit beschäftigt, pro Jahr zwei Spielkurse für Dudelsack und Drehleier mit den anerkanntesten MusikerInnen der hauptsächlich frankophilen, aber auch europaweiten Folk- und Bordunszene zu organisieren. Generationen von interessierten MusikschülerInnen haben bereits ihre ersten, zweiten oder weiteren Schritte auf ihren Instrumenten im legendären Ort Trossin und jetzt an neuer Stelle in Radis in Sachsen-Anhalt machen dürfen. Damit trägt Andrea Hotzko außerordentlich zur Qualität und über die vielen Jahre auch zur Quantität der MuskerInnen in der deutschen Folkszene bei, angefangen vom der Anwendung im häuslichen Bereich über die Amateur- und semiprofessionelle Anwendung hin bis zu mittlerweile professionell arbeitenden MusikerInnen.

 

Festival-Preis: Matthias Schriefl

Der 1981 im Allgäu geborene Trompeter Matthias Schriefl gehört zu den jungen Wilden, die den Stadl ebenso bewusst und lustvoll erlebt haben wie Pop und Jazz und Rock und sich, wie man auf deftig Bayerisch sagt: nix dabei scheißen, das alles in ihre Musik zu integrieren. Auch wenn er mit indischen oder Jazzmusikern arbeitet, für Philharmonische Orchester oder Jazzensembles komponiert - in seine alpenländische Heimat kehrt er musikalisch immer wieder zurück. Für diese Verwurzelung steht programmatisch der Projektname Six, Alps & Jazz; für Matthias Schriefl steht, dass er Musik mit großer Finesse, immer aber auch mit einem Augenzwinkern spielt. Tradition, Innovation und eine schier überbordende Spiellaune gehen hier eine qualitativ hochwertige wie lustvolle Symbiose ein. Was Matthias Schriefl zu einem überaus würdigen RUTH-Preisträger prädestiniert.

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