Nr. 25 vom 2. bis 5. Juli 2015

Was für ein Geburtstagsfest! Das heißeste TFF aller Zeiten nämlich. Zum 25. stiegen die Temperaturen auf fast 40 Grad und bei flirrender Hitze feierten wir gleich mehrere Premieren: RUTH-Preisträger Funny van Dannen brach mit einem festen Grundsatz und trat erstmals bei einem Festival auf. Gerhard Polt war Anfang Juli endlich einmal nicht beim Dreh oder im Urlaub und beehrte Rudolstadt; völlig unerwartet gab es diesmal keine kurzfristigen Absagen und zum ersten Mal war ARTE mit an Bord und übertrug aus dem Heinepark acht Konzerte im Livestream. Darunter auch das Auftakt-Konzert von Coetus: Das spanische Percussion Ensemble brachte 17 Musiker auf die Bühne und dazu Instrumente, die selbst viel gereiste Tonmeister noch nicht kannten.

 

Überraschendes kam auch aus Norwegen, in diesem Jahr der Länderschwerpunkt. Es ging los mit dem gefeierten Jazztrompeter Nils Petter Molvær, der am Donnerstag gemeinsam mit dem legendären jamaikanischen Duo Sly & Robbie auf der Bühne stand, und mündete in eine Weltpremiere am Sonntag: Die Performance LEAHKIT, ein gemeinsames Projekt des Tänzers Hallgrim Hansegård und des samischen Joikers Torgeir Vassvik. Die zwei gehören zu den aufregendsten Vertretern ihres Faches und wurden in Rudolstadt heftig umjubelt.

Auch die Norweger selbst waren begeistert. Linda Dyrnes, Leiterin von FolkOrg, dem Partner des TFF Rudolstadt beim Länderschwerpunkt 2015 schwärmte: „Das TFF Rudolstadt hat das beste Publikum der Welt.“

 

Vor diesem Publikum traten diesmal rund 150 Bands aus 33 Ländern auf. Dabei zogen die bekannten Namen natürlich tausende Fans an, so wie die portugiesische Fado-Sängerin Mariza, Caravan Palace, die Erfinder des Electro Swing aus Frankreich, die US-Musikerin Rhiannon Giddens, Pedro Caldeira Cabral, größter lebender Virtuose auf der Guitarra Portuguesa oder der Sizilianer Pippo Pollina, der mit den Thüringer Symphonikern aufspielte.

 

Die Festival-Besucher feierten aber auch unbekannte Künstler und öffneten wieder ihre Ohren für musikalische Experimente: Für die Cister als magisches Instrument zum Beispiel oder für die kanadischen Sängerinnen von Katajjacoustic, die mit Studenten der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar ein Konzert aus Inuit-Vokalisen und elektronischen Soundfiles entwickelten. Eine Zusammenarbeit, die ebenso glückte wie die des deutsch-libanesischen Quartetts Masaa mit der israelischen Sängerin Yael Deckelbaum. Mit Songs auf Arabisch und Hebräisch engagieren sie sich für den Frieden im Nahen Osten.

 

Dass die Vielfalt des Festivals nach wie vor einfach umwerfend ist, darüber waren sich zum 25. alle einig. Geteilte Reaktionen löste die Ankündigung aus, den Magie-Platz künftig auch für andere besondere Projekte zu öffnen. Das bietet die Chance, neben dem Länderschwerpunkt und dem Orchesterprojekt wechselnde Specials umzusetzen. Auch weitere Magie-Instrumente können darunter sein.

 

Übrigens kam 2015 zu den über 20 Bühnen noch ein spezieller Schauplatz:

Die Saale wurde zur echten Attraktion. Hier kühlte man Köpfe, Füße und Getränke, im Wasser wurde gepicknickt und gebadet. - Reggae-Sänger Patrice, unser krönender Abschluss nahm allerdings lieber ein Bad in der Menge, bevor dann endlich Abkühlung von oben kam. Denn kaum war der letzte Ton verklungen, ergoss sich das lang angekündigte Gewitter über Rudolstadt.  Die Ostthüringer Zeitung schrieb dazu: „Das ist Timing.“ - Stimmt. Aber auch: Good Vibrations!