Das Gesicht des Festivals: Die wandelbare Konstante

Der Erfolg populärer Veranstaltungen (vulgo: Events) hängt gewöhnlich davon ab, wie geschmeidig sie sich dem wendigen Zeitgeist anzupassen in der Lage sind. Ein Diktum, dem sich das Rudolstadt-festival (bis 2015 TFF) auf mancherlei Weise verweigert – besonders augenfällig in seinem visuellen Auftritt.  Von der 1. Auflage an bestimmte eine ausgesprochen handschriftliche Ästhetik die Artwork des Festivals, das damit inzwischen – neben einigen anderen Facetten – ein Alleinstellungsmerkmal inne hat. Weder irgendein Plakat, noch eine einzige Bühnengestaltung, kein CD-Cover oder T-Shirt, ja nicht einmal ein Überspanner in der Fußgängerzone ist in 20 Jahren TFF ohne klare individuelle Note geblieben. Das Gesicht des Festivals ist damit ein ausgesprochen persönliches. Man möchte meinen, ganz und gar anachronistisch erlaubt es sich eine Liebe zum Detail, die sich dem eiligen Blick nicht offenbart, die sich derben Witz und feine Ironie gönnt und sich obendrein dem Maßstab oberflächlicher Schönheit verschließt.

Das Gestalter-Team um Jürgen B. Wolff, Gabi Lattke und Ulrike Triebel stellt sein Werk in den Dienst des Festivals und der auftretenden Künstler, aber nicht mit sinnfreien „Dekos“, sondern mit Arbeiten von eigenem künstlerischem Gewicht. Mit jedem neuen Länderschwerpunkt und jedem neuen „Magischen Instrument“ sprießt eine Fülle von Ideen, die dem Rudolstadt-Festival bei aller Konstanz immer neue visuelle Impulse beschert. Die Kunst der Gestalter erhält genau damit maßgeblich die Identität des Festivals – mit der Wandelbarkeit in der Kontinuität.

Wolfram Böhme


Das Grafikerteam 2008 auf Mull-Exkursion im Leipziger Zoo

vorn und von links Jürgen, Katja, Yvonne, Birgit, Heide, Myriam – hinten Ulrike, Uwe, Sibylle, Stephan, Micha, Gabi, Ilka, Sebastian (Foto Silvia Hauptmann)