Rudolstadt – „Stadt der Tanzfeste“ 1955-1989

Anfang der 50er Jahre beschloss die DDR-Regierung, ein gesamtdeutsches Volkstanzfest zu veranstalten. Die Wahl fiel auf Rudolstadt in Thüringen. Dort lud man dann 1955 zum 1. „Fest des deutschen Volkstanzes“ in der Hoffnung auf ein „bald geeintes, friedliebendes, demokratisches Deutschland“; rund 50 Gruppen aus D-West und 110 aus D-Ost kamen.
 
Spätestens mit dem Mauerbau war es aus mit dem Ziel des „geeinten Deutschlands“, aber nicht mit den Tanzfesten in Rudolstadt; sie fanden bald ihre Fortsetzung:

  • 1963 1. Fest des Liedes und des Tanzes auf Kreisebene
  • 1965 1. Tanz- und Musikfest des Bezirkes Gera
  • 1969 umbenannt in Tanzfest der DDR (und gleich als 5. Tanzfest gezählt; von da an zweijährlicher Rhythmus)
  • 1984 1. Rudolstädter Folklore-Tour:
    Auf zwei Pferdewagen reisten zehn Folkloristen eine Woche lang mit einem Schwarm Tanzwütiger, zwei Zauberkünstlern, einigen Kunsthandwerkern und ‚verantwortlichen Mitarbeitern‘ durch den Landkreis, lagerfeuerten und spielten abends im jeweiligen Dorfgasthof zum Tanz.
  • 1989 fand dann das 17. und letzte Tanzfest statt.

Insgesamt fanden in Rudolstadt zwischen 1955 und 1989 25 Tanzfeste statt. Je nach Mode und kulturpolitischer Tendenz hatten sie Beinamen wie „Folklorefest der Lebensfreude“, „Treffen der Laienbühnentänzerbewegung“, „Internationale Leistungsschau der Amateur-Bühnentanzschaffenden“ oder „Fest der sozialistischen Völkerfamilie“. Anfangs spielten neben den Tanzensembles Blasmusik, Fanfarenzüge und Volkschöre eine Rolle; dann wurde verstärkt den Kindertanzgruppen Aufmerksamkeit geschenkt. Ende der 60er Jahre kamen die Singeklubs der FdJ hinzu. Man versuchte sich im geselligen Tanz mit Combos und 1975 sogar mit „Rock rund um den Marktbrunnen“; zu den Höhepunkten zählten die Gala-Vorstellungen der Ballett-Profis, die Zunftstraße der in Thüringen ansässigen Handwerker, die Tanzfest-Hochzeit und vor  allem der große Festumzug aller beteiligten Tanz- und Musikgruppen zum Abschluss des Treffens.