Nr. 3: 2.-4. Juli 1993

1993 fand das Tanz&FolkFest „statt in einer Zeit ausufernden Nationalismus und sich schamlos frei gebärdender rechter Horden“. Weiter hieß es im Vorwort zum Programmheft: „Von diesen Auswüchsen ist auch Rudolstadt nicht verschont geblieben. Die 32.000-Einwohner-Stadt am Saale-Knie ist keine Extremisten-freie Insel; sie ist aber auch kein braunes Zentrum, wie sich bei manchem (entfernten) Beobachter nach Heß-Demonstration und Diehnel-Prozeß gelegentlich der Eindruck einstellte. Durch die entsetzlichen Ereignisse des letzten Jahres kommt jedoch dem Tanz- und Folkfest Rudolstadt eine zusätzliche Bedeutung zu: die DES Ortes in Deutschland, wo sich drei Tage lang Kulturen und Menschen begegnen, wo das Ideal, dass alle Männer Schwestern und alle Frauen Brüder sind, hochgehalten wird, wo Gäste aus 28 Ländern ihre Traditionen vorführen werden, auf dass wir sehen, und hören, und verstehen - und nicht zuletzt uns einfach freuen, einige Tage miteinander zu verbringen.“
 
Also geschah es. Die Schwerpunkte waren Musik und Tanz der Roma, die Drehleier (feat. Valentin Clastrier) als magisches Instrument sowie der Folkförderpreis, der diesmal an Hölderlin Express ging (vor Nûrê und dem Bremer Straßenmusikohrkäster). Und dann gab es noch eine Neuerung: Um die Musik eines Landes einmal vielfältiger, umfassender darstellen zu können, beschloss da Team einen Länderschwerpunkt. Dazu gehörten anfangs eine Kunstausstellung, ein Kunsthandwerkermarkt – und die Hoffnung, einen solchen Länderschwerpunkt möglicherweise auch gefördert zu bekommen, damit also den Etat ein wenig zu entlasten. Kaum eine dieser Ideen und Hoffnungen haben sich realisieren lassen; dennoch ist der Länderschwerpunkt zu einem unverrückbaren Eckpfeiler des Festivals avanciert. Wobei gleich der erste, Finnland (mit JPP, Maria Kalaniemi, Nils-Aslak Valkeapää, Värttinä u.a.), ein Highlight in der Reihe setzte.