Nr. 5: 7.-9. Juli 1995

„Frenetische Lautstärken lange nach 22 Uhr bis in den frühen Morgen, Obst, Wein und Brötchen im Geschäft bis nach Mitternacht - eine Stadt trotzt in fröhlicher Anarchie drei Tage klang dem Ordnungsamt wie dem Ladenschlussgesetz. Stadtvater Dr. Hartmut Franz wurde von seinem Bayreuther Kollegen interessiert gefragt, wie er denn das gegen die vorschriftenwütige Bürokratie geregelt bekäme. Franz zuckte mit den Schultern: ‚Also, ich als Bürgermeister... weiß einfach nichts davon.’ Solche Bürgermeister braucht das Land!“ Jubelte Maria Kajzer in ihrem Rückblick auf das Tanz&FolkFest 1995 in der Jungen Welt. Seit 1994 konnte Dr. Franz beim Gedanken an das Festival auch etwas beruhigter schlafen: Erstmals war das Festivals nicht über das vorgesehene Maß des Stadt-Zuschusses hinaus in die roten Zahlen geraten - zum künstlerischen Erfolg gesellte sich langsam eine solide finanzielle Basis.
 
Besagter künstlerische Erfolg hatte 1995 vor allem drei Namen: Länderschwerpunkt Südafrika (ein Jahr nach dem offiziellen Ende der Apartheid und den ersten freien Wahlen), eine orientalische Nacht im Heinepark, die der Mandolinenspieler U Srinivas mit einer Morgenraga gegen 5 Uhr morgens beendete, und ein neu konzipiertes Magie-Projekt: Auf Vorschlag von Programmbeiratsmitglied Jo Meyer wurde die bisherige Form einer spontanen Session aufgegeben zugunsten eines in der Woche vor dem Festival geprobten Konzerts. Aber es gab auch Rückschläge: Ein erster Versuch, DJs ins Festival einzubinden, schlug fehl – noch war das Publikum nicht bereit dazu. Den deutschen Folkförderpreis gewann übrigens die Gruppe Grenzgänger.
 
„In Rudolstadt baut sich, 40 Jahre nach der ersten, von der SED installierten Propaganda-Veranstaltung, etwas auf, was über die reine Musik hinausreicht. Es riecht nach Kult.“ (Rainer Köster, Kreiszeitung Syke)
 
„Rudolstadt - das ist nicht nur ein Festival, das ist ein Lebensgefühl.“ (Joachim F. Tornau, Göttinger Tageblatt)