Nr. 6: 5.-7. Juli 1996

Zur Eröffnung gab sich Bundespräsident Roman Herzog die Ehre. Den Medien redete er auf dem Marktplatz ins Gewissen: „Tanz- und Folkgruppen aus mehr als 30 Nationen und von allen fünf Kontinenten sind in Rudolstadt versammelt. Sie alle leisten einen unverwechselbaren Beitrag zu diesem farbenprächtigen und heiteren Treffen der Kulturen. Es wäre nur gerecht, wenn das auch von den Medien gebührend dargestellt wird.“
 
Doch Thema Nummer 1 war 1996 das Wetter. Bislang hatte das Festival damit Glück gehabt. Doch jetzt zeigte Petrus, dass er auch anders kann: Regelrechte Unwetter zogen über die Stadt, die Bierfiedler spielten ein legendäres Gewitter-Konzert, und wir hatten Mühe, die „barfüßige Diva“ Cesaria Evora über die glitschige Holzrampe auf die Bühne im Schlosspark (wohin wir wegen Umgestaltung des Innenhofs der Heidecksburg seit 1995 ausweichen mussten) hoch zu geleiten. „Doch die 50.000 ließen sich ihren Spaß unter Kapuze und Regenschirm nicht verdrießen, sie tanzten und tanzten – wo es sein musste, barfuss oder in Gummistiefeln.» (Frank Quilitzsch, Thüringische Landeszeitung)
 
Beeindruckender noch als das Wetter war dafür der Länderschwerpunkt Ungarn: Muzsikás’ Bartók-Programm war erstmals außerhalb Budapests zu erleben und Vujicsics spielten ein fantastisches Konzert im Theater; zudem hatte Ko-Produzent Csaba Lökös einen superben Kunsthandwerkermarkt organisiert. Die Hackbrett-Magie litt unter der Feuchtigkeit im Heinepark, die keine der Saiten unverstimmt ließ, bleibt aber in Erinnerung, weil der iranische Santoor-Großmeister Faramaz Payvar zu Beginn der Proben erst einmal die Instrumente seiner Kollegen putzte: Auch Respekt vor Instrumenten zeigt sich in verschiedenen Kulturen auf unterschiedliche Art und Weise.
 
„Rudolstadt ist, wenn ein junger Musikfreund in schwarzer Lederjacke zu Tante-Irmgard-Schrummelmusik mit den Füßen wippt und sagt: ‚Das groovt!’“ (Grit Lemke, Leipziger Volkszeitung)