Nr. 7: 4.-6. Juli 1997

Die einen liebten es, die anderen fanden es schrecklich – am Konzert der pakistanischen Hip-Hop-Agit-Prop-Gruppe Fun<Da>Mental im Heinepark schieden sich die Geister. Bei Bela Fleck ärgerten sich hinterher viele, dass sie ihn verpasst hatten, und ähnlicher Ärger wäre auch angebracht gewesen bei dem Auftritt von Chandralekha und ihrem Ensemble – die Inderin ist das dortige Gegenstück zu Pina Bausch. Zu den unumstritten positiven Überraschungen des Festivals zählten Berrogüetto aus Spanien und der Bretone Erik Marchand im Zusammenspiel mit der rumänischen Taraf de Carancebes. Indien war anlässlich des 50. Geburtstags Länderschwerpunkt, das magische Instrument war das Saxofon, und den Folkförderpreis gewann das Trio Schlüsselbund (vor Aquabella und Schnaftl Ufftschik).
 
„Wie jedes andere Spitzenprodukt lebt das Festival von Mundpropaganda, hat eigentlich keine Werbung mehr nötig, bestenfalls Imagepflege“, beobachtete Thomas Spanier in der Ostthüringer Zeitung und formulierte damit etwas, was das Festivalteam auch entschieden hatte: Plakate sind eine überflüssige Geldausgabe und werden nur in geringem Umfang als Erinnerung an den Termin benötigt. Flyer in Klubs und Anzeigen in einschlägigen Publikationen schon. Ansonsten ist das wichtigste der Wohlfühlfaktor des Publikums, wie auch zwei junge Männer bei einer Umfrage unter Festivalbesuchern bestätigten: „Eigentlich hassen wir Folk, aber wir sind von Freunden eingeladen worden und wussten nicht, was hier abgeht. Was wir gut finden? Natürlich die vielen Frauen.“
 
„In der seit sieben Jahren gepflegten, für Folkloristisches aus aller Welt offenen Form hat sich Rudolstadt ebenso Kultstatus erworben wie Roskilde und Glastonbury.“ (Hendrik Lasch, Neues Deutschland)
 
„Das Rudolstädter Festival überwindet, und das macht seinen Reiz aus, die Grenze zwischen ‚bürgerlicher’ Volks- und ‚alternativer’ Folkmusik.“ (Jan Kuhlmann, Westfalen Blatt)