Nr. 10: 7.-9. Juli 2000

Wenn’s andere nicht tun, müssen wir uns halt selbst beschenken. Zum Zehnjährigen leistete sich „das schönste Kind der deutschen Einheit“ (Christoph Dieckmann, Die Zeit) ein Symposium (Folk Music in Public Performance), konzipiert von den Proffs. Max Peter Baumann und Erich Stockmann; die Vorträge erschienen später als Doppelband in der Reihe the world of music (ISSN 0043-8774). Und wir gönnten uns zudem einen Aperitif, ein Sonderkonzert am Abend vor dem eigentlichen Festivalbeginn: Auf der Heidecksburg spielte Goran Bregovic mit seiner Wedding & Funeral Band.
 
Dass es nach der 99er Sonne wieder regnen würde, war spätestens klar, als wir uns für den Länderschwerpunkt England entschieden. Imponierend dabei die Geste von Norma Waterson: Als es bei ihrem Konzert auf der Heidecksburg in Strömen goss und die Zuschauer dennoch nicht wichen, stellte sie sich an die Bühnenkante. „Wenn Ihr nass werdet, dann tun wir das auch.“ Trockener konnte man eine Ausstellung im Schillerhaus genießen, für die Ken Hunt Bücher, Fotos, LP-Cover und viele andere Erinnerungsstücke aus 40 Jahren englisches Folkrevival zusammengetragen hatte.
 
Das magische Instrument war das erste Musikinstrument der Welt: die Stimme, vom feinen polyphonen Gesang des Eva Quartets (BUL) bis zum Brüllchor Mieskuoro Huutajat (FIN). Als Zugabe gab es das faszinierende Projekt des vom Stimmen-Festival in Lörrach konzipierten „Global Vocal Meeting“ (auch das liegt vor, auf Do-CD, NoEthno 1001/2).
 
Die Warsaw Village Band trat erstmals außerhalb Polens auf – es war der Beginn einer Weltkarriere. Lecker Sachen brachten die Zuschauer zum toben („Nun beruhigt Euch doch mal!!“ – Herr Be zum Publikum), die Bollywood Brass Band zum tanzen und F.S.K. zum chillen.
 
Apropos chillen: Der Jugendklub saalgärten hatte von 1 h in der Nacht bis 10 Uhr morgens geöffnet und bot Dance Music mit Live-Bands und DJs. Diesmal stimmten location und Programm – die Nacht ist seitdem fester Bestandteil des Festivals.