Nr. 12: 5.-7. Juli 2002

Das gute Dutzend machten wir voll mit einem unterirdischen Programm: Das Ruhrgebiet und Polen – von wo aus ja viele Bergbauarbeiter an die Ruhr gekommen waren – standen als Focus regional und als Länderschwerpunkt im Mittelpunkt des zwölften Festivals. Doch das einschneidendste war mal wieder eine Baumaßnahme in der Stadt: Diesmal traf es die Burgterrasse, was zu einer Gegenbühne in einer Ecke des Innenhofs der Heidecksburg führte – eine Notlösung, die wir glücklicherweise nur ein Jahr lang ertragen mussten.
 
Kaum weniger wichtig, allerdings diesmal im positiven Sinne: Seit 2001 gab es im Festivalteam einen speziellen Mitmachtanz-Verantwortlichen, Matthias Weyrich, nicht nur einer der besten Tänzer Leipzigs, sondern dort auch seit Jahren beim TanzHausFest organisatorisch aktiv. Der führte sich gleich mit zwei konzeptionellen Änderungen ein, einer strikteren Trennung zwischen den nachmittäglichen Workshops von den Tanzabenden sowie einem Tanzschwerpunkt. Erster Tanz des Jahres war die Mazurka.
 
Es gab herausragende Auftritte. Das spektakuläre Shibusashirazu Orchestra aus Japan oder den locker vor sich hinbluesenden Willy de Ville, die fabelhaften Kamancheh-Improvisationen von Kayhan Kalhor oder die jazzige Cracow Klezmer Band, die schrägen Lieder des M.A. Numminen oder die eingängigen Songs der Show of Hands. Und einen überraschenden Höhepunkt im Magiekonzert zu einem Instrument, das es als Gattung gar nicht gibt: Kniegeige ist ein Sammelbegriff für die Fiedeln, die auf oder zwischen den Knien gehalten werden. Mit Argwohn betrachtet, entpuppte sich das Konzert als das (bis heute) beste Magie-Projekt aller Zeiten.
 
Kinder bitte nicht in unseren Marktbrunnen werfen!
(Tipp im Internet-Forum an einen Festival-Neuling)
 
Je nach Neigung ist Rudolstadt Tanzorgie, Trachtenspektakel, Völkerkundeseminar, World-Pop-Messe oder das Bayreuth der ethnischen Musik. Oder die Love Parade der bodenständigen Musik. (Christoph Dieckmann, Die Zeit, 18.7.2002)