Nr. 15: 1.-3. Juli 2005

„Das Ohr wünschte dem Gehörten noch ein wenig nachzulauschen, doch dem Leistungsrudolstädter ist Muße untersagt“, beklagte Christoph Dieckmann in einem Aufsatz zum TFF Rudolstadt 2005. Welchem Gehörten er nachzulauschen sich sehnte, ist eigentlich unerheblich – zu oft ist diese Klage nach einem TFF zu hören. Andererseits: Sich treiben lassen ist vornehmste Festivalbesucherpflicht, wohldurchdachte Pläne gelten als störend. Am Donnerstag ist die Wahl ja gering, da heißt es nur: Sonderkonzert oder nicht. Wer sich 2005 auf die Burg begab, erlebte ein schönes Konzert der Chieftains mit Gästen aus Galicien: von Carlos Nuñez und seiner Band. Und mit Marianne Faithfull, die bei einem Stück mitsang – am Tag drauf gab sie ein großartiges Konzert an gleicher Stelle.
 
„Es ist in jedem Jahr das Rudolstadt-Dilemma, dass man das TFF-Füllhorn nicht zur Gänze leeren kann“, klagt Dieckmann weiter. Ranarim aus Schweden haben ihm gefallen, ebenso Jonianet aus Albanien. Auch Miquel Gil aus Spanien und an erster Stelle Lo còr de la Plana, ein Polyphonie-Sextett aus Marseille, sehr weltlich und voller Metaphysik. Andere Gemüter haben sicherlich den Länderschwerpunkt Brasilien genossen, das Hippie-Jammen von Tri Continental oder die RUTH-Preisträger: die Biermösl Blosn, Rabih Abou-Khalil, Malbrook, das Nomad SoundSystem oder Tango Crash (die Ehren-RUTH ging an Dr. Jan Reichow vom WDR). Ein Symposium gab’s auch wieder (samt dazugehöriger CD im Programmheft), zum 100. Geburtstag von Wolfgang Steinitz. Und der Vollständigkeit halber: Magisches Instrument war die E-Gitarre, Tanz des Jahres die Polka.
 
„Es ist, als nähmen über die Musik Tausende diese, ihre Welt in Besitz, ganz unkompliziert und spielerisch. Hier ... lebt plötzlich scheinbar wie von selbst ein Stück Zukunft in der Gegenwart. In diesem Sinne ist das TFF immer ‚politisch’ gewesen.“ (Matthias Zwarg, Freie Presse)
 
„Drei glückliche Tage und das Resümee: Das Leben ist schön!“ (Internet-Forum-Zuschrift von Moni)