No. 23 vom 4. - 7. Juli 2013

Als im Jahr 2011 das TFF Rudolstadt offiziell auf vier Tage erweitert wurde, sorgten sich die Organisatoren zunächst, wie viele Besucher dieses Angebot annehmen und schon am Donnerstag anreisen würden. Zwei Jahre später sorgen sie sich eher, ob der Massenansturm am Donnerstag überhaupt noch zu bewältigen ist: Von den 20.000 Dauerkarten, auf die das Festival limitiert ist, wurden am ersten Festivaltag bereits 15.000 umgetauscht: Der Heinepark stieß an seine Kapazitätsgrenzen. Und das, obwohl das Programm keine Künstler aufbot, die – wie bspw. Zaz oder Dr. John in den Vorjahren – über das Insider-Folk- und Weltmusikpublikum hinaus bekannt waren.
 
Doch Souad Massi, die Tiger Lillies sowie Edward Sharpe & The Magnetic Zeros sorgten für einen rundum gelungenen Abend; an die damit geschaffene positive Grundstimmung knüpften an den Folgetagen so unterschiedliche Künstler wie das Balanescu Quartet, Bauchklang, die Blind Boys of Alabama, Fat Freddy’s Drop, Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi oder David Lindley an. Insgesamt standen aus 38 Ländern 87 Solisten und Gruppen im Bühnenprogramm sowie 56 in der Straßenmusik auf den fast 31 Bühnen und Podien zwischen Burg und Park. Die Besucher kamen – außer aus Deutschland – aus Australien, Belgien, Dänemark, Estland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Litauen, Luxemburg, Österreich, Schweiz, Niederlande, Polen, Spanien sowie Tschechien.
 
Im Länderschwerpunkt präsentierte sich Bella Italia. Wie im Vorjahr begann der Konzertreigen mit einer Revue im Anschluss an die Festivaleröffnung vor den Ehrengästen der Stadt. Eine eintägige Fachkonferenz zu italienischer Musik, veranstaltet in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Transcultural Studies der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar, rundete ein Musikprogramm ab, das zwischen archaischen Traditionen aus Sardinien und Multi-Kulti-Projekten aus Neapel viele bislang unbekannte Facetten italienischer Musik zeigte.
 
Ein mit Italien verbundenes Experiment stellte sich als ausgesprochen gelungen heraus. Erstmals wurde das übliche Programm der Bühnentanz-Ensembles um eine moderne Tanzkompanie ergänzt: OPLAS aus Umbrien zeigte eine Tanz-Parabel über die Liebe zu Musik von Antonio Vivaldi – um Mitternacht auf einem vollen und dennoch mucksmäuschenstillen Marktplatz.
 
Der vom TFF Rudolstadt gemeinsam mit den am Festival beteiligten ARD-Rundfunkanstalten sowie dem Wettbewerb creole – Weltmusik in Deutschland ausgelobte Deutsche Weltmusikpreis RUTH ging an die in Köln lebende ukrainische Künstlerin Mariana Sadovska (Hauptpreis), das vietnamesisch-deutsche Lao Xao Trio aus Dresden (Förderpreis) sowie an die Tanzpädagogin Eva Sollich (Lebenswerk). Erstmals vergab das TFF-Team einen eigenen Preis; ihn erhielt die Braunschweiger Jazzkantine für ihr aktuelles Programm Volkslieder.
 
Die „Magie“-Konzerte rund um ein Instrument sind immer Publikumsmagneten beim TFF. Diesmal drehte sich alles um das älteste bekannte Instrument der Menschheit, die Flöte. Mit neun Flötisten aus vier Kontinenten sowie fünf Begleitmusikern war es das zahlenmäßig bislang aufwändigste „Magie“-Projekt – und musikalisch eins der befriedigendsten: Selbst diejenigen, die nicht gerade zu den Flöten-Fans zählen, gaben unumwunden zu, dass hier Musiker auf sehr hohem Niveau zueinander gefunden hatten und ein großartiges gemeinsames Konzert abgeliefert hatten.
 
Für eine positives Außenwirkung sorgten die 135 akkreditierten Medien, u.a. mit zahlreichen Rundfunk-(Live-)Sendungen, Konzertaufzeichnungen und Beiträgen von MDR Figaro, BR Klassik, Deutscher Welle, Deutschlandfunk, DeutschlandRadio Kultur, HR2 Kultur, Radio Bremen sowie WDR3. Erstmals wurden zudem zwei Konzerte (Bauchklang sowie Fat Freddy’s Drop) weltweit im Internet-Video-Livestream übertragen.