No. 24 vom 3. - 6. Juli 2014

Session-Atmo und politische Botschaft: Das TFF 2014 eröffnete gleich mit einem besonderen Act. Die Musiker von Water Is Right gaben ein Benefiz-Konzert, um sich für sauberes Trinkwasser einzusetzen. Zur Band um Rolf Stahlhofen gehörten dabei Künstler aus dem Dunstkreis von Gentleman und Söhne Mannheims. Teil des Projekts war eine Wasserbox im Heinepark, die Wasser aus der Saale trinkbar aufbereitete. Hier griffen tausende TFF-Besucher gegen Spende zu einer Kostprobe und informierten sich über das Engagement der Stiftung Water Is Right.

Zum erfolgreichen Auftakt am Donnerstag gehörten auch Turtle Island aus Japan, Tribal-Punk-Rock in großer Besetzung. Kraftvolle Sounds, die vor allem junge Festivalbesucher in den Heinepark zogen, ähnlich wie später die Show von Kali Mutsa oder auch Judith Holofernes. Und natürlich Russkaja. Sie spielten am Sonntag zu einer großer Party auf und setzten einen mitreißenden Schlusspunkt. Eingefleischte Folkfans und langjährige TFF-Freunde fanden sich eher bei June Tabor & Oysterband wieder, feierten David Bromberg, Eddi Reader oder den großartigen Arto Lindsay.

Große Einmütigkeit dann wieder beim Länderschwerpunkt Tansania: Beglückend empfanden viele vor allem die Frauen der Ufunuo Muheme Group, die das Festival um die herausragende Musikkultur der Wagogo bereicherten. Ein eindrucksvolles Erlebnis auch Tarbiya Islamiyya, das Ensemble einer Koranschule aus Sansibar. Und einfach Spaß machte es mit dem tansanischen Safi Theatre und Circus Bombastico aus Dresden, die nicht nur bei der großen Tansania-Revue und beim Kinderfest gemeinsam auftraten, sondern schon im Vorfeld des Festivals in verschiedenen Schulen. Mit Tansania hatte sich das TFF für ein wirklich aufwändiges Projekt entschieden und allein dafür mehr als 80 Künstler nach Rudolstadt geholt. Aber das Publikum belohnte alle Mühe durch seine Begeisterung!

Besonders stimmungsvolle Momente gab es auch wieder im Theater und in der Kirche. Mit The New Masters of Mugham aus Aserbaidschan oder der südkoreanischen Künstlerin Kim Hae-Sook. Standing Ovations bekamen Bassgitarrist Mattis Kleppen, Geiger Ottar Kasa und Tänzer Hallgrim Hansegard aus Norwegen. Mattis Kleppen spielte auch beim Magie-Projekt, das sich in diesem Jahr den Bassinstrumentenin all ihren Spielarten und Facetten widmete. Aus dem Line-up ragten sicherlich Michel Godard (Serpent, Tuba, E-Bass) und Louis Sclavis (Bassklarinette) heraus, französische Jazzer von Weltrang und Protagonisten der Folklore imaginaire.

Samba - Der Tanz des Jahres war eine Verneigung Richtung Brasilien, wo man am Freitag gerade das WM-Viertelfinale angepfiffen hatte, als auf dem Marktplatz in Rudolstadt das TFF offiziell eröffnet wurde. Prompt fiel das 1:0 im Spiel Deutschland-Frankreich. Der Rest ist Fußball-Geschichte...

Mehrfach in der Geschichte des TFF musste wegen des großen Andrangs schon der Zugang zur Heidecksburg gesperrt werden. Auch diesmal und Schuld hatte einmal mehr die RUTH. Denn die Sondertrophäe des Weltmusikpreises ging an den umjubelten Rainald Grebe. Aber gefeiert wurden auch Alpen Klezmer, Gewinner des Hauptpreises, und Liloba, für die es den Förderpreis gab. Die Ehren-RUTH ging an die Bibliothekarin Barbara Boock. Und es gab 2014 sogar noch mehr Preise zu verteilen: Denn ausnahmsweise fand das Finale des Global Music Contest creole in Rudolstadt statt. Das TFF sprang hier kurzfristig für Hannover ein, wo die Endrunde des bundesweiten Wettbewerbs eigentlich stattfinden sollte. Die Jury krönte vier Gewinner: Sedaa, Pulsar Trio, Kapelsky & Marina, Volxtanz.

Mit den creole-Gruppen und Straßenmusikern waren insgesamt übrigens 163 Bands dabei. 1083 Künstler boten dem Publikum 285 Auftritte (Konzerte, Workshops, Talk). Um bei diesem Angebot von A nach B zu kommen, gab es in diesem Jahr erstmals einen Shuttle zwischen Innenstadt und Heidecksburg. Er konnte mit jeder Festivalkarte kostenlos genutzt werden, ebenso die Busse der Verkehrsbetriebe. Neu auch unser Festival-Blog: Studierende der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar waren (fast) rund um die Uhr unterwegs auf dem TFF und posteten Eindrücke, Interviews und Fotos.

Bevor der 24. Jahrgang zu Ende ging, hieß es noch „Fare thee well“. Michael Kleff, Chefredakteur des FOLKER und als Moderator eigentlich gar nicht wegzudenken vom TFF, hat sich tatsächlich in den Ruhestand verabschiedet. In Zukunft heißt das für ihn also weniger Rudolstadt, mehr New York. Aber das liegt ja mitunter doch näher als man denkt...