An vier Tagen zwischen dem 29. Juni und 4. Juli zeigt das Kino im Jugendclub saalgärten jeweils um 20:00 Uhr Filme, die sich an die Inhalte des Festivals 2018 anlehnen.

 

 

Freitag, 29. Juni "Die Kinder des Fechters"

1953: Der junge Sportlehrer Endel (Märt Avandi) ist auf der Flucht vor Stalins Geheimpolizei. Diese sucht ihn, da Endel während des Zweiten Weltkriegs von der Wehrmacht eingezogen wurde. Um nicht gefasst zu werden, flieht er in ein kleines Städtchen an der Küste Estlands und fängt dort als Sportlehrer an. Nach anfänglichen Problemen findet er immer mehr den Zugang zu den Kindern, da er sie in dem unterrichtet, was er selbst am besten beherrscht und die Kinder unbedingt erlernen wollten: dem Fechten. Freilich nicht gerade zum Wohlwollen des kommunistischen Schulleiters. Doch die junge Lehrerin Kadri (Ursula Ratasepp) bestärkt ihn darin, weiterzumachen. Als ein großer Fecht-Wettbewerb in Leningrad ansteht, muss Endel eine schwerwiegende Entscheidung treffen.
FIN/ EST/ D 2015 | Regie: Klaus Härö | 94 min | FSK

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Montag, 2. Juli "Mali Blues"

Die Dokumentation führt nach Mali in den Westen Afrikas. Einst überführten Sklaven von hier aus den Blues und Jazz nach Amerika und in die Welt. Auch heute noch ist die Musik mit seinen traditionellen Instrumenten ein wichtiger Teil in der Gesellschaft. Gemeinsam mit vier führenden Musikern geht es um die kulturelle Identität des Landes, aber auch um die Schattenseiten, die sich für Musiker seit der Radikalisierung der Islamisten im Norden des Landes einstellt. Fatoumata Diawara flüchtete einst aus dem Land und schaffte im Ausland den Durchbruch als Sängerin und Schauspielerin. Für sie ist die Musik Ausdruck des Friedens und der Trauerbewältigung. Im Zuge der Eroberungen der Dschihadisten im Norden wurden Musiker gefoltert und aus ihrer Heimat in die Hauptstadt vertrieben. Einer der Betroffenen war Musiker Ahmed Ag Kaedi. In seinen Liedern spricht er von seinen Träumen und Sehnsüchten für seine Familie und für Mali. Auch der Ngoni-Musiker Bassekou Kouyaté und der Rapper Master Soumy stehen den Veränderungen in ihrem Land mit Skepsis gegenüber. In ihrer Musik mahnen sie zur Einigkeit und Friedlichkeit. Wo einst Blues und Jazz die Klänge bestimmten, gibt sich das heutige Volk einer Vielzahl von musikalischen Stilrichtungen hin, doch die Nachricht ist dieselbe geblieben.
D/ MLI 2016 | Regie: Lutz Gregor | 99 min | FSK 0

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Dienstag, 3. Juli "Poll"

Im krisengeschüttelten Sommer des Jahres 1914 begibt sich die 14-jährige Oda von Siering (Paula Beer) aus Berlin auf den langen Heimweg zu ihrer Sippe, ins entlegenste Hinterland des Zarenreiches. Einmal angekommen erkennt das clevere Mädchen schnell, dass ihre adelige Verwandtschaft sich bloß noch mit letzter Kraft an vergangene Zeiten klammert und kurz vor der ständischen Implosion steht. Als sie einen schwer verwundeten estnischen Anarchisten namens „Schnaps“ (Tambet Tuisk) in einem aufgegeben Nebenbau entdeckt und ihn zu umsorgen beginnt, muss sie aufpassen, unter keinen Umständen mit ihrem neuen Schützling entdeckt zu werden. Der Fremde entpuppt sich derweil als verbotener Autor und beflügelt Phantasie und romantisches Gelüst der frühreifen Oda. Als er, halbwegs genesen, eines Tages fliehen will, stellt Oda sich ihm in den Weg – das Mädchen ist nicht bereit, ihre einzige intakte Beziehung aufzugeben. Doch für „Schnaps“ geht es als ungebetener Gast auf dem Gutshof Poll längst um Leben und Tod...
A/ EST/ D 2010 | Regie: Chris Kraus | 129 min | FSK 12

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MIttwoch, 4. Juli "Soviet Hippies"

Ein Leben zwischen Lenin und Lennon. Die Kollision der Freiheitsutopien, der Gemeinschaftsutopien. In der Sowjetunion lebte man gefährlich als Hippie – kein Wunder, schließlich waren die Blumenkinder ganz besonders kriminell. Man stelle sich vor: Bis zu zehn Telefonzellen am Tag wurden allein in Tallinn geplündert, um mit der wertvollen Elektronik die E-Gitarren aufzumotzen. Gitarrenrazzia! Drugs, Rock ’n’ Roll, lange Mähnen, nackte Leiber, Sex, Friede, psychedelische Kunst, Meditation, Batikhemden, Zauselbärte.
Mit einem üppigen Aufgebot an verschiedensten Archivmaterialien spürt die estnische Regisseurin Terje Toomistu einem Lebensgefühl nach, das nicht nur die amerikanischen 1970er Jahre prägte, sondern auch in den Metropolen der Sowjetunion wucherte – selbst wenn man dort gar nicht so genau wusste, wovon die Beatles eigentlich sangen. Und heute, 40 Jahre später? Einige der Sowjet-Hippies sind mittlerweile Sowjet-Althippies. Der Vietnamkrieg ist vorbei – heute herrscht der Ukrainekrieg. Der KGB existiert nicht mehr – heute sitzt Putin an der Macht. Und einiges blieb genau so, wie es war: Friede, Freude, Batik, Bärte.
EST/ FIN/ D 2010 | Regie: Terje Toomistu | 75 min

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