Eine Kindheit im Iran - Auszüge aus PERSEPOLIS von Marjane Satrapi

Die Umwälzungen der 1970er und 80er Jahre erzählt aus der Perspektive eines Mädchens: Im Jahre Woodstock kommt in Resht, einer Dreiviertelmillionenstadt am Kaspischen Meer, Marjane Satrapi zur Welt. Marji, so ihr Kosename, wächst in einer liberalen Familie auf. Die Eltern sind aufgeklärte Linksintellektuelle und religiös abstinent. Die Familie zieht nach Teheran, wo Chomeinis islamische Revolution ihr Leben und das Land schlagartig verändert. Tausende kommen um, zweieinhalb Millionen emigrieren. Der Glaubenskrieg gegen Saddam Hussein gerät zum irrationalen Inferno.

 

Am Beispiel ihrer eigenen Kindheit beschreibt die preisgekrönte Autorin Marjane Satrapi das Drama einer ganzen Gesellschaft und schuf einen der weltweit erfolgreichsten Comics. Ein Genre, das als künstlerisches Mittel den beinahe krassesten denkbaren Kontrast darstellt, um die Zustände in einem fanatisierten Gottesstaat zu schildern. In schnörkellosen, fast linkischen Schwarzweiß-Zeichnungen erzählt Satrapi von ihrer ersten Zigarette, vom heimlichen Alkoholtrinken und Rockmusik-Hören, von der rigide kontrollierten Verhüllungspflicht der Iranerin durch die Revolutionswächter, vom unvermittelten Raketenangriff auf ihr Teheraner Wohnviertel oder vom spurlosen Verschwinden regimekritischer Verwandter.