Zur Jurysitzung 2017

Hatte die Jury doch in diesem Jahr glatt einen Preisträger gekürt, der nicht in der Lage war, den Preis anzunehmen! Zwar könne er am Samstag spielen, aber auf Grund von Verpflichtungen am Vorabend unmöglich zur geplanten Zeit für den Soundcheck in Rudolstadt sein. Was tun? Verschieben? Ja, aber nicht ihn als Preisträger, sondern das Konzert wieder auf den Abend. Denn bevor Herr Dr. Georg Ringsgwandl einen Herzkasper bekommt ob einer allzu hektischen Anreise und sich gar noch selbst therapieren muss - er ist ja Kardiologe -, sorgen wir lieber für zeitliche Variabilität am Samstag. Heuer also mal wieder die RUTH-Preisverleihung am Abend, mit dem Ringsgwandl-Konzert als krönendem Abschluss.

Leicht fiel uns das auch deswegen, weil in der RUTH-Jury die Entscheidung für den Mann aus Bad Reichenhall so eindeutig war, dass sich hinterher schon niemand mehr an einen etwaigen Kandidaten auf Platz 2 erinnern konnte. Bei den anderen Preisträgern waren solch Alzheimer-testende Maßnahmen gar nicht erst nötig. So hatte sich die Banda Internationale das Wochenende eh freigehalten, weil sie sich für die Straßenmusik beworben hatte. Jetzt bekommt das Orchester aus Dresden sogar einen Preis, die Förder-RUTH, primär für die Musik, aber so nebenbei auch für ihr (kultur-)politisches Engagement gegen Pegida und ähnliche Auswüchse in der Stadt an der Elbe.

Die komplexeste Kandidatenschar steht immer auf der Liste für die Ehren-RUTH. Da muss die Jury Journalist gegen Veranstalter gegen Agenten gegen Workshopleiter gegen – ach, gegen alle möglichen Menschen wägen, die auf ihrem jeweiligen Feld über Jahre hinweg Bedeutendes geleistet haben bzw. immer noch leisten und doch so gar nicht zu vergleichen sind. Erstmals traf es in diesem Jahr einen Vertreter der Wissenschaft, was allein schon vom Arbeitsbereich her überfällig war. Max Peter Baumann hat in Lehre wie Forschung wie Publikation deutliche Spuren hinterlassen – nicht zuletzt auch beim Festival, denn die bewährten Gesangs-Workshop-Leiter Christoph Lambertz und David Saam haben bei ihm studiert.

Mit diesen Vorgaben saß nun das Festivalteam zusammen, um seinen Preisträger zu bestimmen – und tat sich bemerkenswert schwer. Nicht, dass es keine KandidatInnen gegeben hätte, aber für das Festival spielen neben der Eignung auch noch andere Fragen eine Rolle. War der Kandidat schon mal auf dem Festival? Wenn ja, wann? Gibt es mittlerweile ein neues Repertoire, bspw. ein Projekt? Und auch Fragen der Umsetzung in ein Konzert sind wichtig: Wenn man mit der Banda Internationale schon eine große Gruppe hat, sollte man nicht noch einen technisch aufwändigen Künstler dazusetzen. Und so wanderten nach und nach die Namenszettel in den Papierkorb, bis das österreichische Quintett Alma übrig blieb. Musikalisch unangreifbar, Rudolstadt-Neulinge, jung, 4/5tel Frauen – die Kästchen, die man bei Alma ankreuzen konnte, nahmen schier kein Ende mehr. Und damit war die Wahl der RUTH-Preisträger 2017 erfolgreich beendet.

 

 

 

Die Jury 2017

Tiago de Oliveira Pinto (Vorsitz)

Simone Dake (TFF Rudolstadt)

Ulrich Doberenz (TFF Rudolstadt)

Peter Eichler (MDR)

Gereon Schoplick (Creole)