Zur Jurysitzung 2018

Irgendwann ist immer das erste Mal. An diese Binsenweisheit durften sich die RUTH-Jury-Teilnehmer nach der Sitzung im November 2017 in Weimar erinnern: Erstmals hatte jeder der drei Auslober einen seiner Kandidaten „durchbekommen“. Nun ist die Auswahl der Preisträger keine Koalitionsverhandlung, und anders als Merkel und Lindner kennt sich die Jury und vertraut einander. Dennoch: Jeder der Juroren vertritt einen Auslober; dahinter stehen KollegInnen, denen man hinterher ggf. erklären muss, warum die eigenen Kandidaten es nicht geschafft haben. Und da ist eine solche salomonische Lösung das wahrhaft ideale Ergebnis.
Dass es zudem eine zügige Sitzung war, lag daran, dass keine Ich-AG am Tisch saß. Aber auch daran, dass es diesmal in jeder Kategorie preiswürdige Vorschläge gab. Einzig bei der Ehren-RUTH dauerte die Diskussion länger. Zwei Kandidaten waren am Schluss noch im Topf, aus ganz unterschiedlichen Berufsfeldern; beide waren schon mehrmals vorgeschlagen worden. Am Schluss neigte sich die Waage zu Michael Kleff – mal wieder ein Journalist, aber einer, der darüber hinaus das Lied- und Folkgeschehen in Deutschland (Stichworte: Profolk, Liederbestenliste) über Jahre mitgeprägt hat.
 
Leichter fiel die Wahl der Hauptpreisträgerin. Wenn mehrere gleichrangige KünstlerInnen vorgeschlagen sind, entscheiden oft die Extras: Cymin Samawatie ist nicht nur eine ausgezeichnete Musikerin (Cyminology), sondern sie hat auch als Komponistin und Projektleiterin (Divan der Kontinente) sowie als Festival-Kuratorin (Female Voice of Iran 2017 in Berlin) dem Musikleben in Deutschland viele kreative Impulse verliehen. Pluspunkte, die am Schluss für sie sprachen.
 
Wenn es um die Förder-RUTH geht, schlägt die große Stunde des Jury-Vorsitzenden. Auf dieser Liste stehen manchmal Musiker oder Projekte, die nicht jedem Jury-Mitglied sofort geläufig sind. Da ist es dann an Tiago de Oliveira Pinto, seinen Laptop anzuwerfen und Videos vorzuspielen. So war es auch diesmal: Der mazedonische Ausnahme-Bassist Dine Doneff lebt seit einiger Zeit in München und hat sich dort letztes Jahr mit der jungen Akkordeonistin Maria Dafka zusammengetan, die just als Musikstudentin in die bayerische Hauptstadt gekommen war. Kein Wunder also, dass das Duo über den Weißwurstäquator hinaus noch unbekannt ist. Was sich aber bald ändern sollte: Die beiden sind einfach gut. Fand auch die Jury und sprach ihnen deswegen nach eingehendem Videostudium die Förder-RUTH zu.
Dass das Festivalteam mit seiner RUTH auch diesmal vorgeprescht war, lag nicht nur daran, dass die RUTH-Jury-Sitzung später als üblich stattfand. Sondern am Kandidaten: Schon lange stand bei uns Gisbert zu Knyphausen auf der Wunschliste. Nun hatte er sich zuletzt rar gemacht, war aber 2017 mit neuem Album und Tournee wieder aufgetaucht. Als sich dann auch noch der Samstag, also der RUTH-Tag, als Konzerttermin herauskristallisierte, witterten wir unsere Chance und schlugen erbarmungslos zu.
Damit hatten wir vier Namen und können das Geheimnis der Preisträger 2018 lüften. Nur, wer von welchem Auslober vorgeschlagen worden ist, darüber decken wir den Mantel der Verschwiegenheit…
 
 
 
Die Jury
Tiago de Oliveira Pinto (Vorsitz - Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar)
Simone Dake (Rudolstadt-Festival)
Ulrich Doberenz (Rudolstadt-Festival)
Peter Eichler (ARD)
Gereon Schoplick (Trägerkreis Creole)