Tanz des Jahres: Die Bourrée

In Frankreich ist die Bourrée eine der charakteristischsten Tanzformen, doch woher sie genau stammt, ist immer noch etwas rätselhaft. Sind die ersten Ursprünge altgriechische oder gar gallische Kriegstänze? Oder eine Verballhornung von „bou rei io“, einem Ruf zur Inthronisierung eines neuen Königs? Von den unterschiedlichen Theorien hat sich vor allem die gehalten, die in der Bourrée eine Ableitung aus einem Volkstanz sieht. Dazu notierte schon Louis de Cahusac 1751 in der berühmten L’Encyclopédie von D’Alembert-Diderot: „Es gibt einen Tanz, den man Bourrée nennt: Sie ist fröhlich, & man glaubt, dass sie aus der Auvergne stammt: Sie ist tatsächlich immer noch in Gebrauch in dieser Provinz. Sie besteht aus drei zusammengesetzten Schritten, mit zwei Bewegungen. Man beginnt sie mit einem Auftakt einer Viertelnote. { ... } Die Bourrée ist im Zweiertakt, und setzt sich aus zwei Teilen zusammen, deren jeder aus vier Takten besteht, oder aus einer Zahl, die ein Vielfaches von 4 ist.“

 

In Mode kam der Tanz um 1660 am Hofe Ludwigs XIV. Bald aber schien er nicht mehr vornehm genug und wurde vor allem durch die ländliche Bevölkerung am Leben erhalten. Im ausgehenden 19. Jahrhundert wanderte die Bourrée dann mit den Arbeitssuchenden aus den Provinzen in die Hauptstadt. Im Laufe der Zeit entwickelten sich hunderte von Formen. Heute wird die Bourrée auf den Bal Folks getanzt, ständig dynamisiert und belebt durch junge Musiker und Musikerinnen. Traditionell begleiten der Dudelsack Cabrette, Geige, Akkordeon (chromatisch oder diatonisch), Drehleier und auch Gesang die Tänze. In letzter Zeit bringen aber Instrumente wie Mundharmonika und Klarinette neuen Wind in die Musik.

 

mit Café Charbons, Cie Bernard Coclet & Eméline Rivière